Higg BRM: Rückblick auf sechs Monate Zusammenarbeit mit SAC und Higg Co

Zalando arbeitet zusammen mit der SAC und Higg Co an der Entwicklung eines branchenweiten Standards für Nachhaltigkeit

Seit Mai 2020 arbeiten Zalando, die Sustainable Apparel Coalition (SAC) und Higg Co gemeinsam am Aufbau eines globalen Nachhaltigkeitsstandards für die Modebranche - eine von zahlreichen Maßnahmen, die Zalando im Rahmen seiner im Oktober 2019 veröffentlichten do.MORE-Strategie eingeführt hat. Mit der von SAC aktualisierten Version des Higg BRM (Higg Brand & Retail Module) können Einzelhändler bestimmte Ethik- und Nachhaltigkeitsparameter analysieren. Zalando ist der erste Händler, der dieses Modul als Grundlage nutzt, um alle auf der Zalando-Plattform verkauften Marken zur Nachhaltigkeitsbewertung und Berichterstattung zu verpflichten. Bei der Datenerfassung verfolgt Zalando einen gestaffelten Ansatz, d. h. die Markenbewertung auf Grundlage des Higg BRM wird schrittweise bei allen Markenpartnern eingeführt. Kate Heiny, Director of Sustainability bei Zalando, gibt Einblicke in den aktuellen Stand des Projekts und erläutert die nächsten Schritte.

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Kate Heiny, Director of Sustainability at Zalando

Vor einigen Monaten hat Zalando den Prozess zur Bewertung von Marken auf Grundlage des Higg BRM begonnen. Wo steht das Projekt im Moment und wie geht es weiter?

Im ersten Jahr wollen wir vor allem verstehen, wo unsere Partner in Bezug auf Nachhaltigkeit stehen und in welchen Bereichen wir als Branche die größten Schwierigkeiten sehen. So können wir unsere Position als Plattform optimal nutzen, uns auf gemeinsame Maßnahmen konzentrieren, die dann auch Wirkung zeigen. Im September haben wir Daten von den ersten Marken erhalten, u.a. von unseren Partnern Nike, VF Corporation und PVH. Diese ersten Daten werden wir im Oktober und November 2020 auswerten und analysieren.
 

Wir erfassen zum ersten Mal derart detaillierte Nachhaltigkeitsdaten. Schwerpunktmäßig wollen wir anspruchsvollere Ziele in der Branche etablieren, und die Zusammenarbeit mit unseren Marken verbessern. In der ersten Phase unserer Markenbewertung werden wir mit circa 250 Fragen aus dem Higg BRM soziale und ökologische Risikobereiche untersuchen. Die Zahl der Fragen hängt davon ab, wie komplex die Wertschöpfungskette der jeweiligen Marke ist. Diese kann von der ersten Idee und dem Design eines Produkts bis zum Ende der Nutzungsdauer reichen. Dabei werden zwei Wirkungsbereiche analysiert. Erstens, die Auswirkungen auf die Umwelt. Dazu gehören zum Beispiel Wasserverbrauch, Treibhausgasemissionen oder der Einsatz von Chemikalien. Zweitens, soziale Auswirkungen, darunter fallen unter anderem faire Löhne, Menschenrechte und Arbeitszeiten. Das Ergebnis ist eine übergreifende Bewertung des Nachhaltigkeitsmanagements, die nach sozialen und ökologischen Auswirkungen aufgeschlüsselt wird und anzeigt, wo unsere Marken und Händler Verbesserungen im Bereich Nachhaltigkeit vornehmen können.

Der Fragebogen für diese Nachhaltigkeitsbewertung ist recht umfangreich. Was sind die größten Herausforderungen und welches Feedback habt ihr bisher erhalten?

Wir haben überwältigend positive Reaktionen erhalten – von den Nachhaltigkeitsexperten bis hin zu den Handelsvertretern bei den Marken. Alle erkennen den Vorteil der Nachhaltigkeitsbewertung und sind bereit, in diesem Bereich zusammenzuarbeiten. Da es sich nicht gerade um einen kurzen Fragebogen handelt und die Umsetzung nicht von heute auf morgen möglich ist, gab es anfangs Bedenken hinsichtlich des Zeitplans. Mitarbeiter waren sich nicht sicher, wie wir unseren Partnern die notwendige Unterstützung zur Verfügung stellen können, um ihnen das Ausfüllen des Fragebogens so einfach wie möglich zu machen. Eine besondere Herausforderung war hierbei auch die anhaltende COVID-19 Pandemie. Gemeinsam mit SAC und Higg Co stellen wir deshalb konkrete Anleitungen und Schulungen zur Verfügung. Wir rechnen damit, dass sich die Marken im Jahresvergleich verbessern werden. Natürlich werden wir auch als Zalando und für unsere Eigenmarken den Fragebogen ausfüllen. Das ist ein umfangreicher Prozess, den wir gemeinsam absolvieren werden.

Müssen alle Marken, die auf Zalando verkaufen, den Higg BRM ausfüllen?

Nachhaltigkeitsbewertungen sind ein wichtiger Teil unserer do.MORE-Strategie. Deshalb sind sie für alle unsere Markenpartner verpflichtend. Wir wollen Einfluss ausüben und kollektive Veränderungen vorantreiben. Unsere größten strategischen Partner müssen den gesamten Higg BRM ausfüllen. Für kleinere Marken, mit denen wir weniger eng zusammenarbeiten, reicht möglicherweise eine verkürzte Version.

Wir haben überwältigend positive Reaktionen erhalten(...) Alle erkennen den Vorteil der Nachhaltigkeitsbewertung und sind bereit, in diesem Bereich zusammenzuarbeiten

Kate Heiny, Director of Sustainability at Zalando

Warum ist dieses Projekt so wichtig – vor allem angesichts der Coronavirus-Krise?

Diese Krise hat systembedingte Probleme in der Branche verstärkt und das Nachhaltigkeitsbewusstsein der Verbraucher geschärft. Kundenbefragungen haben ergeben, dass Nachhaltigkeit angesichts der Coronavirus-Situation für 34 Prozent unserer Kunden noch wichtiger geworden ist. Für 38 Prozent der Kunden hat Markentransparenz im Kontext der Nachhaltigkeit an Bedeutung zugenommen hat. Verbraucher stellen immer häufiger Fragen zur Nachhaltigkeit einer Marke. Durch das Higg BRM erhalten wir Markendaten, die wir langfristig mit Verbrauchern teilen müssen, damit sie nachhaltige Entscheidungen treffen können. Wir werden eng mit unseren Partnermarken zusammenzuarbeiten, damit wir die Messlatte unserer ethischen Standards schrittweise erhöhen können.

In diesem Jahr geht es also vor allem um die Datenerfassung für eine bessere Zusammenarbeit. Was ist für die kommenden Jahre geplant und was kann damit langfristig erreicht werden?

2021 werden wir unsere Markenbewertung auf die nächste Gruppe von Marken ausweiten. Da es sich beim Higg BRM um einen Fragebogen zur Selbsteinschätzung handelt, prüfen wir zusammen mit SAC auch einen Ansatz zur Datenverifizierung. Damit möchten wir sicherstellen, dass die erfassten Informationen auch stimmen. 

Wir wollen bei der Etablierung eines globalen Branchenstandards die Führung übernehmen und künftigen gesetzlichen Rahmenbedingungen einen Schritt voraus sein. Durch strategische Partnerschaften können wir kollektiv Wirkung erzielen. Wir werden konkrete Anforderungen für Verbesserungen festlegen und dabei eng mit unseren Partnern zusammenarbeiten. Marken, die sich nicht daran beteiligen oder im Laufe der Zeit keine Fortschritte erzielen, werden bis 2023 von der Plattform genommen. Wir sind bereit, kurzfristig Verluste hinzunehmen, um langfristig Gewinne zu erzielen und sind. Unser Engagement für Nachhaltigkeit wird uns zu einem Wettbewerbsvorteil verhelfen. Davon sind wir überzeugt.

Langfristig wollen wir die erfassten Markendaten auf einfache, vertrauenswürdige und vergleichbare Weise an unsere Kunden weitergeben, damit sie gut informierte Entscheidungen treffen können. Verbraucher wollen wissen, wo und wie ihre Bekleidung oder ihre Schuhe hergestellt werden. Sie möchten mehr darüber erfahren, wie sie diese nachhaltiger und ihren eigenen Werten entsprechend kaufen können. Wenn wir unseren Kunden diese Transparenz bieten, können wir als Marke und als Plattform dazu beitragen, Vertrauen aufzubauen.