Wie die Stimmen Schwarzer Mitarbeiter*innen mehr Gehör finden

Cassandra Pope hat die Black Employee Connection aufgebaut und innerhalb eines Jahres zu einer engagierten Community bei Zalando entwickelt, die positive Veränderungen anstößt und die Unternehmenspolitik beeinflusst.

Zalando SE do.BETTER Diversity & Inklusionsbericht Cassandra Pope
Cassandra Pope, Senior Program Manager bei Zalando und Gründerin der Black Employee Connection.

Cassandra, warum hast du die Black Employee Connection gegründet?

Während meiner Arbeit bei Zalando bin ich nicht vielen Menschen begegnet, die wie ich aussehen. Da kann man sich sehr einsam fühlen. Als ich dann mal auf dem Flur zufällig eine andere Schwarze Frau traf und wir ins Gespräch kamen, kam mir die Idee, Schwarze Menschen bei Zalando zusammenzubringen. Wir fanden schnell vier weitere Frauen und haben uns einmal im Monat außerhalb der Arbeit getroffen, um uns besser kennen zu lernen und uns auszutauschen. Nachdem wir uns in unserer Gruppe ein halbes Jahr lang getroffen hatten, fanden wir heraus, dass es eine Gruppe Schwarzer Männer gab, die exakt dasselbe machten! Wir beschlossen, die zwei Gruppen zu verbinden und für alle Geschlechtsidentitäten zu öffnen. 2019 haben wir offiziell die Black Employee Connection (BEC) als eine Zalando Employee Resource Group ins Leben gerufen.

Employee Resource Groups sind noch kein besonders weit verbreitetes Konzept in Deutschland. Kannst du kurz erläutern, was das ist?

Im Wesentlichen sollen sie einen sicheren Rahmen für Verbundenheit und gegenseitige Unterstützung für Mitarbeiter*innen bieten, die sich als Teil einer Minderheitengemeinschaft identifizieren. Es sind von Mitarbeiter*innen initiierte, aber vom Unternehmen durch Unterstützung auf Führungsebene anerkannte und mit Ressourcen und offiziellem Budget ausgestattete Gruppen, die so in ihrer Organisation Gemeinschaftsinitiativen fördern können. Zu Beginn der BEC haben wir uns im Wesentlichen auf den Aufbau einer privaten Gemeinschaft für Schwarze Mitarbeiter*innen bei Zalando konzentriert.

Wir hoffen, neue und bessere Wege zu definieren, um mit unseren derzeitigen Schwarzen Mitarbeiter*innen in Kontakt zu treten,
sie zu fördern und zu unterstützen, was angesichts der persönlichen Auswirkungen, die alle während dieser Pandemie spüren, besonders wichtig ist.

Cassandra Pope

Dann ist aber noch mehr daraus geworden?

Vor dem Hintergrund der aktuellen Geschehnisse in der Welt, insbesondere in diesem Jahr, hat sich die Situation für unsere Gemeinschaft deutlich verschärft. Nach dem Mord an George Floyd haben wir beschlossen, dass wir nicht länger nur ein privater Raum der Verbundenheit für Schwarze Mitarbeiter*innen sein wollen, sondern dass wir auch einen öffentlichen Raum schaffen sollten. Wir wollten Zalando auf uns aufmerksam machen und uns mit anderen Mitarbeiter*innen in Verbindung setzen, die mehr über das Thema Antirassismus lernen und unser Anliegen unterstützen möchten.

Hat man bei Zalando zugehört?

Die Black-Lives-Matter Proteste haben das Bewusstsein in Bezug auf rassistische Ungerechtigkeit in Europa, bei Zalando und auch in der ganzen Branche deutlich verstärkt. Das BEC-Kernteam hat daraufhin beschlossen, als Reaktion einen Call to Action zu formulieren, der auflistet, was wir als Schwarze Gemeinschaft gerne bei Zalando an Veränderungen und Reaktionen sehen würden. Mit diesem Dokument wollen wir dem Unternehmen unsere Anleitung, Unterstützung und Zusammenarbeit anbieten, sollten eine Antirassismusstrategie und entsprechenden Ziele erarbeitet werden. Infolgedessen ist die BEC nun stark in die Förderung von Schlüsselinitiativen eingebunden, die hoffentlich die Themen Rassismus, Ungleichbehandlung und Unterdrückungssysteme am Arbeitsplatz angehen werden.

Was sind das für Initiativen?

Wir haben viel Arbeit in die Diversifizierung unserer Supply und Demand Abteilungen investiert, beispielsweise haben wir Black-Owned-Fashion- und Beauty-Marken an Bord geholt und hoffen, diese Zahl noch zu erweitern. Kürzlich ist ein Budget in Höhe von einer Million Euro für die Unterstützung der Marketingstrategien solcher Marken auf unserer Plattform genehmigt worden. Zalando hat klare Ziele für die Anzahl von Black-Owned-Brands formuliert, die wir in den nächsten Jahren an unsere Plattform anbinden wollen. Eine weitere Initiative, die erfolgreich im Unternehmen lanciert wurde, ist die Ermittlung und Entfernung aller rassistischen oder diskriminierenden Formulierungen in unserer Kommunikation. Das sind nur einige der Initiativen, die wir innerhalb kürzester Zeit bei der Geschäftsführung und der D&I-Task Force platzieren und auf den Weg bringen konnten. Hoffentlich ebnen wir hiermit den Weg für langfristigen Wandel und eine Zukunft, in der wir als Unternehmen effektiv vereint mit einer klaren D&I-Mentalität und -Strategie agieren können.

Was ist Deine Vision für die BEC und D&I bei Zalando in der Zukunft?

Gemeinsam mit der Unternehmensführung und der D&I-Task Force von Zalando haben wir einige großartige Initiativen auf den Weg gebracht. Dazu zählen Partnerschaften mit den wichtigsten Schwarzen Organisationen in Berlin, um erfolgreich Wege für die Zusammenarbeit mit der Schwarzen Gemeinschaft zu erschließen – von der Schule über die Universität bis hin zur Arbeitswelt – um Chancen für eine zukünftige Beschäftigung bei Zalando zu eröffnen. Das BEC-Kernteam hofft auch, neue und bessere Wege zu definieren, um mit unseren derzeitigen Schwarzen Mitarbeiter*innen in Kontakt zu treten, sie zu fördern und zu unterstützen, was angesichts der persönlichen Auswirkungen, die alle während dieser Pandemie spüren, besonders wichtig ist. Kurz gesagt, ich sehe nichts als positive Entwicklungen und Auswirkungen für und durch die Black Employee Connection bei unseren Bemühungen, Zalando nicht größer, sondern besser zu machen.