Platz schaffen für Schwarze Stimmen in der Kosmetik­branche

Die Black-owned Kosmetiklabels Aaron Wallace und Maréna Beauté sprechen darüber, warum Repräsentation in der Haut- und Haarpflege­branche wichtig ist und welche Schritte notwendig sind, um diese zu erreichen.

7. November 2022
Diversität & Inklusion

Die Bedürfnisse Schwarzer Kund*innen wurden von der Kosmetik­branche nicht immer ausreichend berücksichtigt. So ist es zum Beispiel immer noch nicht üblich, dass Kosmetikschulen Stylist*innen mit dem Wissen ausstatten, wie man sich um Haare und Make-up Schwarzer Menschen kümmert. Zwar haben viele größere Marken in die Erweiterung ihrer Produktpalette investiert, um Make-up in dunkleren Tönen und Haarpflegeprodukte für dichtere Lockenstrukturen anzubieten, aber im Hinblick auf Auswahl und Zugänglichkeit muss noch viel getan werden. Bei Zalando arbeiten wir daran, dies zu ändern, indem wir Partnerschaften mit Black-owned Marken eingehen, die das Wissen und die Erfahrung haben, um unsere Schwarzen Kunden*innen zu bedienen, anstatt darauf zu warten, dass etablierte Marken ihre Sortimente ändern. Wir haben mit Maréna Beauté und Aaron Wallace gesprochen, um herauszufinden, welche Lücken es auf dem Markt noch gibt und was getan werden kann, um sie zu schließen.

Maréná Beauté ist ein schwedisches Kosmetiklabel, das in Skandinavien Pionierarbeit für hochwertiges Make-up für dunklere Hauttöne leistet, Aaron Wallace ist eine Pflegemarke für Männer, die von einem professionellen Frisör aus South London gegründet wurde. 

Diarry Maréna von Maréna Beauty

Maréna Beauté

Wie geht eure Marke auf unterschiedliche Hauttypen ein?

Wir haben eine Farbpalette entwickelt, die dem Teint von Verbraucher*innen mit dunkleren Hauttönen perfekt entspricht. Außerdem legen wir Wert darauf, eine spezielle Formulierung und Pigmente in unseren Produkten zu entwickeln, die dunklere Hauttöne hervorheben und komplementieren, um die perfekte Übereinstimmung für unsere Kund*innen zu erzielen.

Wie kann es sein, dass diese Art von Produkten auf dem europäischen Markt unterrepräsentiert ist?

In Europa hat sich das Make-up-Angebot für dunklere Haut seit unserer Einführung sicherlich verbessert. Wir sind jedoch der Meinung, dass richtiges Wissen über geeignetes Make-up für dunklere Haut bei den Marken auf dem europäischen Markt noch lange nicht vorhanden ist. Es wird noch Zeit und Mühe kosten, bis wir als Branche mit Gewissheit behaupten können, wir hätten Produkte für alle.

Was kann die Branche tun, um mehr Raum für diese Art Repräsentation zu schaffen?

Wir stellen fest, dass viele Unternehmen sich bewusst darum bemühen, die Repräsentanz in ihrem Sortiment zu erhöhen. Das ist eine Entwicklung, von der wir gerne mehr sehen würden. Zalando ist eines der Unternehmen, die mit ihren Bemühungen, eine inklusive Marke zu werden, an der Spitze dieser Entwicklung stehen.

Was kann die Branche tun, um mehr Raum für Black-owned Marken zu schaffen?

Wir legen Wert auf Qualität, Kenntnis unserer Zielgruppe und Repräsentation – das sind Aspekte, die in der Branche berücksichtigt werden müssen. Wenn dies nicht der Fall ist, kann es sein, dass wir im Ergebnis nur eine Quote erfüllen – das halten wir nicht für produktiv. Dies erfordert eine gemeinsame Anstrengung, um sowohl Black-owned Labels zu gründen, als auch die Branche dazu zu bringen, sie einzubeziehen. Niemand hat einen perfekten Weg gefunden, um Inklusion zu schaffen, aber bei Maréna Beauté versuchen wir alles zu tun, was wir können, um zu einem inklusiveren Markt beizutragen.

Lina Barker von Aaron Wallace

Aaron Wallace

Wie geht eure Marke auf Schwarze Haartypen ein?

Wir konzentrieren uns darauf, Lösungen zu finden und zu entwickeln, die speziell auf die besonderen Bedürfnisse Schwarzer Männer zuge­schnitten sind, wenn es um ihre Haar-, Bart- und Hautpflege geht. Unsere Gesamtmission ist es, Schwarze Männer dabei zu unterstützen und sie zu inspirieren, das Beste aus sich heraus­zuholen. Der Männerpflegesektor wächst seit einigen Jahren rasant und hat dennoch Männer mit Afro-Haartypen und dunkleren Hauttönen vernachlässigt. Infolgedessen mussten Männer of Color oft auf selbstgemachte Mittel zurückgreifen oder benutzen Produkte der Frauen in ihrem Leben.

Sind diese Art Produkte auf dem europäischen Markt unterrepräsentiert?

Auf jeden Fall. Aus genau diesem Grund haben wir uns auf diese Reise begeben. Wir haben eine große Marktlücke festgestellt und wollten etwas dagegen tun. Heute gibt es in dem Bereich immer noch viel Raum für Verbesserungen. Das Tolle ist, dass auch die Verbraucher*innen lauter geworden sind – anstatt die Dinge so hinzunehmen, wie sie sind, fordern auch sie Veränderungen und größere Diversität und Inklusivität in der Schönheitsindustrie.
Ich denke, dass Schwarze Verbraucher*innen nicht immer als ein großer und lukrativer Markt für große Unternehmen angesehen wurden, so dass sie weitgehend ignoriert wurden. Das ist ein Fehler von seiten der großen Unternehmen. Schwarze Verbraucher*innen geben im Durchschnitt viel mehr für ihre Haarpflegeprodukte aus und tragen einen großen Teil zum jährlichen Umsatz der Branche bei.

Was kann die Branche tun, um mehr Raum für diese Art Repräsentation zu schaffen?

In Marken investieren, die die Arbeit machen. Marken wie die unsere, die an den Grundlagen forschen, die Produkte entwickeln und sich wirklich in die Kunden hineinversetzen, die wir bedienen wollen. Es gibt viele unglaubliche Marken, die sich auf unterre­präsentierte Menschengruppen konzentrieren, die aber aufgrund mangelnder Investitionsmöglichkeiten nie die Möglichkeit erhalten, zu wachsen. Aus der Sicht des Einzelhandels bedeutet dies Regalfläche und Möglichkeiten für die Aufnahme von Marken in das Sortiment.

Was kann die Branche tun, um mehr Raum für Black-owned Marken zu schaffen?

In besseren Kontakt mit Verbraucher*innen aus unterrepräsentierten Bevölkerungsgruppen treten, um ein tieferes Verständnis für ihre spezifischen Bedürfnisse zu gewinnen. Auf diese Weise wird die Branche auch mehr kleine Indie-Marken entdecken, die fantastische Produkte für genau diese Verbraucher*innen entwickeln. Das ist der eine Teil. Der andere Teil ist es, diese Marken anzusprechen und mit ihnen zusammenzuarbeiten, um Möglichkeiten zu finden, sie zu unterstützen und zu fördern.


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