Zurück in die Zukunft: Humberto Corona, Data Scientist

Instagrammer, Uber-Fahrer und Digitalmarketing-Strategen – Jobs, die es vor der Gründung von Zalando noch nicht gab. Zum 9. Geburtstag von Europas führender Online-Plattform für Mode schauen wir uns die Berufe an, die für das Unternehmen essentiell sind und die erst innerhalb der letzten Dekade entstanden. Wir sprachen bereits mit Louie Clifford, Community Manager bei Zalando Tech und Lana Criggs, UX Designerin. Hier kommt Data Scientist Humberto Corona.
 

Was sind derzeit Deine Aufgaben?
Ich bin Data Scientist und arbeite an der Customer Data Platform, einer Plattform zur Verarbeitung von Kundendaten. Mein Team besteht aus drei Personen und unsere Aufgabe ist es, Einblicke in das Verhalten unserer Kunden zu gewinnen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse werden dazu genutzt, das Kundenerlebnis bei Zalando zu personalisieren. Dabei geht es darum, das Erlebnis eines jeden Kunden einzigartig zu gestalten. Meine Aufgabe ist sehr abwechslungsreich: Ich erstelle Datenmodelle, schreibe Produktionscodes und arbeite zusammen mit den Produktmanagern um ihre Vision für das Produkt zu verwirklichen. In meiner Rolle im Team helfe ich unter anderem auch dabei, Meetings zu planen und diese zu leiten. Neben meiner Haupttätigkeit engagoere ich mich für den Data Science Summit in Dublin, die Data Science Guild bei Zalando und organisiere Workshops und Vorträge. Es gibt jede Menge zu tun!

Humberto Corona, Research Engineer bei Zalando Tech in Dublin

Wie lange arbeitest Du schon bei Zalando?
Ich habe im November 2015 angefangen, insgesamt also knapp zwei Jahre. Ich war einer der ersten 30 Angestellten im Standort Dublin. 


Wie bist Du zum Beruf Data Scientist gekommen?
Ursprünglich war meine große Leidenschaft die Tonbearbeitung. Während eines Praktikums bei der Firma Sony hörte ich das erste Mal von „Recommender Systems“, also so genannten Empfehlungsdiensten. Das war etwa im Jahr 2008. Damals steckte die Technologie noch in den Kinderschuhen, zumindest was ihre Bekanntheit in der Öffentlichkeit anbelang. Bei Sony habe ich angefangen, mich erstmals für das Konzept von Empfehlungsdiensten zu interessieren. Vom Beruf „Data Scientist“ hatte ich zuvor noch nie gehört, doch ich wusste, dass ich an selbstlernenden Empfehlungssystemen arbeiten wollte. Aus diesem Interesse entstand letztendlich auch meine Abschlussarbeit. Von dort an nahm alles weiter seinen Lauf und letztendlich bin ich mit einem Forschungsstipendium in der Tasche in Dublin gelandet. Als mein Freund John mir Zalando als einen guten Ort für das Weiterverfolgen meiner Interessen vorgeschlagen hatte, dachte ich mir „Das passt perfekt!“ Es ist mir zwar etwas peinlich es zuzugeben, doch ich hatte meinen eigenen Mode-Blog. Es passte also wie die Faust auf‘s Auge! Als die Bezeichnung „Data Scientist“ im Jahre 2011 erstmals aufkam, dachte ich „Jap, genau das bin ich.“


Warum sind Data Scientists so wichtig für Zalando?
Da wir eine Online-Modeplattform sind, kann man gar nicht oft genug betonen, wie wichtig Data Science für uns ist. Die Kunden erwarten eine immer personalisiertere Kundenschnittstelle, auf der sie nicht alles selbst finden und selbst tun müssen. Sie wollen ein eigens auf sie abgestimmtes Umfeld vorfinden. Das ist unmöglich ohne Data Scientists. Wir sind diejenigen, die alle Datenmodelle, personalisierte Empfehlungen sowie Shop-the-Looks erstellen und die Kunden auf einer sehr tiefen Ebene verstehen müssen. Darüber hinaus gibt es so viele Bereiche, in denen Data Science nützlich sein kann. Etwa um aufkommende Trends vorherzusagen, den Bestand zu optimieren, das Warenlager zu organisieren und so weiter. Beinahe jede Dienstleistung und jedes Produkt unseres Unternehmens kann mithilfe von Data Science verbessert werden.


Denkst Du, dass es Data Scientists in 9 Jahren immer noch geben wird?
Manchmal haben Menschen Angst vor Veränderung, doch ich glaube der Wandel hin zur Robotik, zur Künstlichen Intelligenz und zum maschinellen Lernen ist eine gute Entwicklung. Und ja, ich glaube, dass es Data Scientists noch lange geben wird. Data Science befindet sich momentan noch in der Anfangsphase. Die Bezeichnung an sich wurde erstmals in den Jahren 2010 bis 2011 benutzt. Erst seit den letzten zwei Jahren gibt es mehr und mehr grundständige Studiengänge aber auch Masterstudiengänge in diesem Bereich. Der Begriff „Data Science“ entwickelt sich ständig weiter, da der Beruf sich immer weiter etabliert und dabei ausgereifter wird. Wird der Beruf in neun Jahren also immer noch genauso sein? Nein, der Beruf wird sich weiterentwickelt haben, doch ich glaube, dass viele Grundzüge erhalten bleiben werden. Der Beruf wird heranreifen und sich voraussichtlich auch weiterhin aufgliedern: Unterkategorien wie „Machine Learning Researcher“ oder „Data Engineer“ werden in der Zukunft ganz gängige Berufsbezeichnungen sein. Es wird auch Auswirkungen auf andere Bereiche wie etwa dem Datenrecht oder der Data Governance geben. Ich denke nicht, dass ich mir Sorgen machen muss, bald ersetzt zu werden.