Mensch und Automatisierung ergänzen sich”

Zalando SE Fulfillment Center Stockholm

Zalando investiert an seinen Logistikstandorten zunehmend in Automatisierung. Wie Technologie den Menschen unterstützen kann und welche Prozesse Zalando automatisiert, erklärt Carl-Friedrich zu Knyphausen, Head of Logistics Development.

Stolz ist das erste Wort, das Carl-Friedrich zu Knyphausen einfällt, als er durch die Reihen des riesigen, neuen Zalando-Lagers in Stockholm läuft. “Vom ersten Gedanken bis zur finalen Umsetzung war ich hier dabei und habe das Gebäude wachsen sehen – ich bin unglaublich stolz auf das Team, welches mit so viel Leidenschaft das Projekt vorangetrieben hat”, erzählt der Head of Logistics Development. Im hinteren Teil des Lagers fällt vor allem auf, wie sich Regale von selbst bewegen und Taschen über Leitschienen automatisch umherfahren. “Ganz besonders ist der hohe Grad an eingesetzter Automatisierung sowie die Größenordnung der Automatisierungsanlagen”, sagt Carl-Friedrich. Was es damit genau auf sich hat, erzählt er uns im ausführlichen Interview.

Zalando SE Newsroom Story Automation CFK

Carl-Friedrich, das neue Logistikcenter in Stockholm ist das am höchsten automatisierte im Zalando-Netzwerk. Warum investiert Zalando über sein gesamtes Netz hinweg in Automatisierung?

Wie in vielen anderen Bereichen bei Zalando denken wir auch beim Einsatz von Automatisierung in der Logistik vom Kunden her und prüfen, wo wir dort den größten Mehrwert schaffen können. Wir konzentrieren uns bei der Automatisierung daher vor allem auf die Outbound-Prozesse, weil wir hier Vorteile wie kürzere Bearbeitungszeit von Artikeln nach der Bestellung im Onlineshop schaffen können.

Automatisierung sorgt dafür, dass Kunden ihre Bestellungen schneller erhalten?

Genau – und das ist ein wichtiger Wettbewerbsvorteil. Mit dem Einsatz von automatisierter Technologie können wir also einerseits die Durchlaufzeiten verringern, aber auch flexibler auf die Verfügbarkeit von Arbeitskräften reagieren. Auch in Zeiten, in denen es immer schwieriger wird genügend Arbeitskräfte zu finden, müssen wir weiter sicherstellen, dass unsere Kunden ihre Bestellungen unter dem höchstmöglichen Komfort erhalten. Zalando investiert daher seit Beginn der eigenen Logistikaktivitäten in Automatisierung.

VIDEO: Automatisierung in der Logistik bei Zalando

Zalando SE Automation & Robotics Video

Warum Zalando in Automatisierung investiert und in welchen Bereichen sie zum Einsatz kommt

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Gesellschaftlich steht Automatisierung auch für den Verlust von Arbeitsplätzen. Welche Rolle spielt dieses Thema bei Zalando?

Für mich und mein Team ist es wichtig, Technologien zu testen und einzusetzen, die einerseits körperlich anstrengende oder monotone Tätigkeiten von unseren Mitarbeitern übernehmen und andererseits unseren Servicelevel für unsere Kunden steigern können. Es geht dabei nicht darum Arbeitsplätze abzubauen, sondern die Effizienz; das heißt etwa die Anzahl bearbeitete Aufträge pro Mitarbeiter zu steigern und das Wachstum von Zalando möglichst in bestehenden Strukturen abzubilden. Nur so bleiben wir auf der Kostenseite wettbewerbsfähig. Daher sehe ich durch die Automatisierung keine Arbeitsplätze bedroht, sondern eher langfristig gesichert.    

Es ist also eher ein Mit- statt Gegeneinander?

Ich glaube an die Kombination von Mensch und Automatisierung im Arbeitsalltag. Klar beschriebene, monotone Tätigkeiten können zwar von Robotern unterstützt oder übernommen werden, aber wenn es zu komplexeren Aufgabenstellungen oder spontanen Veränderungen im Prozessablauf kommt, stoßen wir mit künstlicher Intelligenz noch an Grenzen. Ein weiterer Faktor, der berücksichtigt werden muss, ist die Diversität unseres Artikelangebots und deren Beschaffenheit. Das heißt: Wir haben weiche Produkte, Schuhkartons oder auch zerbrechliche Materialien, die alle eine eigene Handhabung benötigen. Da ist der Mensch oft nur schwer ersetzbar. Bei Zalando arbeiten Mitarbeiter mit automatisierter Technologie daher Hand in Hand und wir setzen Automatisierung immer da ein, wo es Sinn macht.

Zalando SE Newsroom Story Automation Bagsorter 2

Wie sieht diese Zusammenarbeit konkret aus?

Die Zusammenarbeit von Technologien und Mitarbeiter ist ein fließender Prozess. Beispielsweise bringt automatisierte Fördertechnik Ware zu den Sortier- und Pack-Arbeitsstationen oder auch zum Lkw, um dort von Mitarbeitern verpackt oder verladen zu werden. Ein anderes Beispiel ist der Bagsorter, über den wir die Artikel den Bestellungen zuordnen. Der Bagsorter transportiert die Artikel aus einer Lagerfläche in Taschen fertig sortiert zur Arbeitsstation des Mitarbeiters und dieser kann die Artikel aus den Taschen ohne Bücken entnehmen und weiterbearbeiten. Dieser Prozess spart Zeit und ist ergonomisch angenehmer für den Mitarbeiter.

Zalando SE Newsroom Story Automation Bagsorter 5

Wie sind die Erfahrungen der Mitarbeiter in der Zusammenarbeit mit solch automatisierten Technologien?

Ich habe bisher viel positives Feedback von Mitarbeitern erhalten, die an Arbeitsplätzen damit gearbeitet haben. Positiv hervorgehoben wurden vor allem die Einsparung von Laufwegen und der gesundheitliche Aspekt. Ein Beispiel: An den flexiblen und höhenverstellbaren Tischen unserer Automatisierungsprozesse fallen unergonomischen Aktivitäten wie häufiges Bücken weg. Stattdessen werden die Artikel immer individuell zur Standposition des Mitarbeiters, meist auf Hüfthöhe, transportiert.

Was sind deine Erwartungen an die Branche und Entwicklungen in der Automatisierung?

Wir benötigen vor allem eine größere Vielzahl an Einsatzmöglichkeiten von Automatisierung, die nicht nur einen Bereich in der Intralogistik abdeckt, sondern gleichzeitig für verschiedene Use-Cases eingesetzt werden kann. Darüber hinaus brauchen wir offene Schnittstellen, über die Daten schnell mit anderen Systemen geteilt werden können. Das würde geringere Integrationszeiten bei der Implementierung in vorhandene Prozesse ermöglichen. Aktuell mangelt es an flexiblen Lösungen, die schnell einsetzbar sind. Ideal wäre es, einen Roboter problemlos von einem zum anderen Lager transportieren und einsetzen zu können.

Zalando SE Newsroom Story Automation Optimus Sorter

Wie kann diese Herausforderung gelöst werden?

Das größte Potenzial sehe ich in einer Automation-Platform-Software, die offene Systeme und Schnittstellen ermöglicht. Das heißt, dass die Software ihre Daten für andere Anwendungen verfügbar machen kann und sie beispielsweise von einem anderen System genutzt, etwa ein Roboter, und weiterverarbeitet werden können. Wir reden hier von einem übergeordneten Betriebssystem, im entferntesten Sinne etwa zu vergleichen mit Android als Smartphone-Betriebssystem. Wie bei Android die Apps Spezialfunktionen bereitstellen, werden unterschiedliche Roboter-Systeme über die Automation-Platform-Software, Services aufrufen und damit Aufträge ausführen. Das setzt natürlich voraus, dass auch die Hersteller von Robotern, offene Systeme unterstützt – hier sehe ich noch großen Nachholbedarf.

Wie sieht das genau aus?

Wir könnten uns beispielsweise vorstellen, dass ein Transport-Roboter einen “Navigations-Service” aufruft, der zentral bereitgestellt wird und damit durch das Warehouse fahren kann, um die Packtische mit Verpackungsmaterial zu versorgen.

Und wie wird in fünf bis zehn Jahren in den Zalando-Logistikzentren gearbeitet?

Neue Lager werden einen höheren Automatisierungsgrad haben mit flexibleren Strukturen, die Platz effizienter nutzen, beispielsweise in die Höhe. Insgesamt denke ich, dass wir uns gerade erst am Anfang einer spannenden Reise befinden.


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