Fit für die Zukunft

Zalando SE Stacia Carr

Stacia Carr erklärt, warum das Thema Sizing nicht nur bei Zalando ein revolutionäres ist

Stacia Carr leitet das Sizing-Team bei Zalando, ein funktionsübergreifendes Team aus Software-Ingenieuren, Datenwissenschaftlern, Business Developern und Fitting Models, das sich mit Produktgrößen und der richtigen Passform am Körper der Kunden befasst. Anhand von maschinellem Lernen sollen Produkte im Zalando Store gekennzeichnet werden, wenn ihre Größe von der Norm abweicht. Kunden erhalten somit bereits bei ihrer ersten Bestellung die richtige Passform. Stacia sprach am vergangenen Freitag auf der Konferenz The Next Web in Amsterdam über den strategischen Einsatz von maschinellem Lernen. Jetzt und hier im Newsroom erzählt sie uns mehr dazu.

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Die richtigen Passgrößen und -formen sind eine Herausforderung – das Sizing-Team von Zalando will dies mit einer Vielzahl von Ansätzen lösen.

Stacia, wie sah die Arbeit des Sizing-Teams in den vergangenen Monaten aus?

Wir haben tolle Fortschritte gemacht, zum Beispiel, dass wir bei vielen Artikeln einen Hinweis einblenden, sollte ein Artikel häufig kleiner oder größer ausfallen. Gleichzeitig haben wir aber auch gemerkt, dass wir uns in der Anfangsphase befinden. Wir kratzen noch an der Oberfläche. Wir haben viel Zeit mit 3D-Technologien verbracht und wie diese tatsächlich dabei helfen können, unser Angebot für den Kunden zu verbessern. Es ist fast wie ein Langlauf. Wenn man sieht, wie weit man laufen muss, kann es eine überwältigende Aufgabe sein, aber gleichzeitig auch so aufregend.

Ende des vergangenen Jahres habt ihr einen 3D-Scanner-Test durchgeführt. Ging es darum, die Bereitschaft der Menschen für eine solche Technologie besser zu verstehen – genauso wie die Technologie selbst?

Die Technologie, oder zumindest einige Teile der Technologie, sind bereits in verschiedenen Industrien einsetzbar – und wir haben festgestellt, dass die Menschen auch teilweise bereit sind dafür. Sie verstehen zum Beispiel, dass anhand von 3-D-Renderings der Produkte, die auf die gescannte Körperform aufgelegt werden, Heatmaps erzeugt werden können. Diese zeigen dann an, wo ein Produkt entweder eng oder lose sein könnte.

Wie neugierig waren die Menschen bei Zalando auf die neue Technologie?

Viele Leute aus allen Bereichen Zalandos haben sich dafür interessiert. Wir hatten sogar eine Warteliste – von neuen Mitarbeitern bis hin zu VPs und SVPs. Erfahren haben wir vor allem, dass unsere Kollegen bei Zalando nicht nur von der Technologie begeistert sind, sondern auch von der Aussicht, besser sitzende Kleidung zu bekommen.

Was kannst du uns über die Ergebnisse der Bodyscanning-Tests sagen?

Wir haben drei verschiedene Möglichkeiten zur Generierung von Körpermaßen getestet. Eine davon war die Gesichtserkennung ohne 3D-Komponenten – also 2-D-Bilder. Dann testeten wir die zweidimensionale Bildverarbeitung, also eine Computervision von Ganzkörperbildern. Und schließlich testeten wir mit dem großen 3-D-Scangerät.

Der Gesichtserkennungstest war interessant, weil mir die Idee gefällt, dass man keinen Ganzkörperscan machen muss. Die Ergebnisse waren rund 84 Prozent genau, wenn man sie mit den Messungen vergleicht, die ein professioneller Schneider durchführen würde. Bei den zweidimensionalen Ganzkörperaufnahmen waren es 97 Prozent.

Also ist das Sizing ein wirklich wichtiges Thema.

Richtig. In unserem Team besprechen wir, was wir sagen würden, wenn wir Briefe an unsere Kunden schreiben würden. Jemand sagte: "Wir sind die Guten"! Größe und Passform ist dieser große Drache, der Kunden womöglich zurückschrecken lässt – und wir sind diejenigen, die diesen Kampf mit dem Drachen aufnehmen.

Zalando wurde dieses Jahr 10 Jahre alt. Was bedeutete das für das Sizing-Team?

Ich denke, dass das Thema Größe und Passform ein wirklich gutes Beispiel für die Art von Herausforderungen ist, die wir in den ersten zehn Jahren nicht angegangen sind. Wenn man sich in diesen schnellen Wachstumsphasen befindet, muss man seine Investitionen eben abwägen. Bei Zalando geht es für mich darum, dieses Problem für unsere Kunden nun zu lösen. Mit dem Thema Sizing können wir einen Unterschied machen. Nicht nur für die Kunden, sondern für die gesamte Branche.

Wenn wir auf 2019 und darüber hinaus blicken: Woran wird das Sizing-Team arbeiten?

2019 ist das Jahr, in dem wir wirklich eine markengerechte Größe und Passform schaffen werden. Vieles, was Kunden heute sehen, wird erweitert werden, aber wir werden zunehmend auch Größenempfehlungen für Kunden aussprechen, die noch nie zuvor gekauft haben. So werden wir tatsächlich ein Gespräch mit den Kunden beginnen: "Hey, Maggie, wir sehen, dass du Laufschuhe kaufst. Das hast du vorher noch nie bei uns gemacht. Was ist dein Lieblings-Laufschuh und welche Größe trägst du?" Und dann können wir mit diesen Informationen tatsächlich anfangen, Größenempfehlungen zu geben.

Dies ist der Anfang, um wirklich eine Beziehung zu den Kunden aufzubauen. Die Informationen, die sie uns geben, helfen wiederum uns, unsere Kunden besser zu verstehen: Das ist etwas Besonderes, das ist einzigartig für Zalando. Das ebnet den Weg für ein intensiveres Gespräch mit ihnen. Meine Hoffnung ist, dass wir die Beziehung zwischen uns und unseren 27 Millionen Kunden noch mehr vertiefen können. Das ist für mich der nächste Schritt im Bereich Online-Mode.

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