Ein Jahr DSGVO bei Zalando

Die Stiftung Warentest hat die Datenauskunft von 21 Unternehmen getestet. Zalando zählt in dieser Analyse zu den Top Drei.

Seit einem Jahr leben die Menschen und Unternehmen in Europa nach neuen Datenschutzregeln. Die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) wurde am 25. Mai 2018 zur Pflicht in der Europäischen Union und hat seitdem für viele Diskussionen gesorgt. In den vergangenen Monaten hat die gemeinnützige deutsche Verbraucherorganisation Stiftung Warentest mehrere Unternehmen darauf getestet, wie sie mit dem Recht auf Auskunft umgehen. Zalando schaffte es dabei unter die Top Drei des Tests. Malgorzata Steiner, Legal Counsel Data & IT Law bei Zalando, spricht im Interview über das erste Jahr DSGVO bei Zalando und das Ergebnis der Stiftung Warentest.

Ein Jahr DSGVO, ein Jahr der Veränderung, von besserem Datenschutz, aber auch ein Jahr, in dem die Anforderungen an die Unternehmen längst nicht final geklärt sind. Wie schätzt du dieses Jahr rückblickend für Zalando ein?

Wir haben in diesem Jahr viele Fortschritte gemacht. Datenschutz kann nur funktionieren, wenn alle Abteilungen in einem Unternehmen mitmachen und in ihren eigenen Bereichen darauf achten, dass mit den Daten sorgsam umgegangen wird. Dazu schaffen wir neue zentrale Lösungen, die das Speichern und Verwalten von Daten noch einfacher und übersichtlicher machen. Da die Datenschutzgrundverordnung ein großer Teil der öffentlichen Debatte war, ist das Interesse an dem Thema bei vielen Mitarbeitern gestiegen – unter anderem setzen sich Ingenieure, Analysten, Kundenbetreuer dafür ein, den Umgang mit Daten zu verbessern, um die größtmögliche Transparenz und Sicherheit für unsere Kunden zu schaffen.

Zalando SE Newsroom Story 1 Jahr DSGVO Margo Steiner
Malgorzata Steiner, Legal Counsel Data & IT Law bei Zalando

Die Stiftung Warentest hat in den vergangenen Monaten getestet, wie verschiedene Unternehmen mit dem Recht auf Auskunft umgehen. Wie sind die Tester vorgegangen und wie war ihr Urteil?

Die Stiftung hat bei 21 Unternehmen Kundenkonten eröffnet und nach einer kurzen Nutzung mehr Informationen über die gespeicherten Kundendaten angefordert. Angefragt wurde unter anderem bei Google und je fünf Anbietern aus den Bereichen Social Media, Shopping, Dating und Fitness. Geprüft wurde unter anderem, wie schnell die Auskünfte kommen, wie sie übermittelt werden und ob die darin enthaltenen Informationen klar und vollständig sind.

Zalandos Auskunft wird unter den drei besten erwähnt. Wie hebt sich das Ergebnis von den anderen getesteten Unternehmen ab?

Laut den Testern ist Zalandos Auskunft einfach lesbar, enthält umfassende Angaben zu den gespeicherten Nutzerdaten und liefert Erklärungen zum Prozess der Datenverarbeitung – etwa, zu welchem Zweck die Informationen gesammelt werden.

Wir wollen den Prozess vollständig automatisieren, so dass die Auskunft mit einem Mausklick erfolgen kann.

Malgorzata Steiner, Zalandos Legal Counsel für Data & IT Law

Die Anforderungen an die Auskunft nach Art. 15 DSGVO sind umstritten - es laufen bereits einige behördliche Verfahren, die zur Klärung der Anforderungen beitragen werden. Was könnte sich dadurch ändern?

Der Umfang des Auskunftsanspruchs nach DSGVO ist nicht ganz klar – die einen verstehen den Anspruch als ein Instrument, der Verbrauchern helfen soll, einen Überblick zu erhalten. Die anderen gehen davon aus, dass jede Datenauskunft zugleich eine Kopie der vorhandenen Daten sein sollte. Hier stellt sich automatisch die Frage nach der Lesbarkeit und des Verständnisses! Solche Auskünfte wären vor allem für Fachleute und Informatiker verständlich, nicht aber für normale Nutzer, die sich einen Überblick über ihre Daten und den Datenverarbeitungsprozesse verschaffen möchten.


Wofür wir Kundendaten benötigen

Wir bei Zalando benötigen Kundendaten, um die Bestellungen abzuwickeln. Auch um die Qualität der Dienstleistungen stets zu verbessern und flexibel auf neue Bedürfnisse zu reagieren, sind digitale Unternehmen wie Zalando auf Analyse von unterschiedlichsten Daten angewiesen. So zum Beispiel:

Suchfunktionen und personalisiertes Shopping: Damit sich Kunden für unseren Online-Shop begeistern können, müssen wir ihnen einen Mehrwert im Rahmen des Kundenerlebnisses bieten. Personalisierte Empfehlungen – etwa automatisierte Lernsysteme von detaillierten Datenerhebungen auf Basis von künstlicher Intelligenz – sind ein gutes Beispiel. So können wir anhand von Nutzerdaten und deren Auswertung den heutigen Kundenerwartungen an das Einkaufserlebnis gerecht werden.

Algorithmen-betriebene Vorhersagen: Daten über Bestellungen – verbunden mit Data Analytics – spielen auch eine wichtige Rolle in der Logistiksteuerung, um vorhersagen zu können, wo welche Nachfrage anfällt oder  anfallen wird. Dadurch kann Zalando die Lager- und Auslieferungskapazitäten ökonomisch und ökologisch optimieren sowie sicherstellen, dass der richtige Kunde das richtige Paket an die richtige Adresse geliefert bekommt.   

Betrugsbekämpfung: Um Betrugsmuster und Angriffe rechtzeitig zu entdecken, um ehrliche Kunden vor Kontoübernahme zu schützen, nutzt Zalando KI-basierte Technologien. Diese können anhand von Daten innerhalb der laufenden Zahlungsabwicklung auch neue Betrugsmuster erkennen, bevor sie greifen und Schaden anrichten könnten.


Inwieweit und in welchen Bereichen arbeiten wir weiter an Verbesserungen?

Wir wollen den Prozess vollständig automatisieren, sodass unsere Mitarbeiter die jeweilige Auskunft mit nur einem Mausklick tätigen können. Wir arbeiten auch daran, die Auskunft noch detaillierter zu machen, ohne jedoch überwältigend zu wirken. Unser Ziel ist es, dass es sich jedem Kunden sofort erschließt, welche Daten wir speichern und wie diese zu der Qualität unserer Leistungen beitragen. Wir arbeiten daran, dass demnächst jeder Kunde so einen Überblick zugeschnitten auf eigene Bedürfnisse direkt im eigenen Kundenkonto sehen kann.

Was wird uns ein weiteres Jahr DSGVO bringen?

Bei Zalando werden wir uns darauf konzentrieren, dem Kunden mehr Kontrolle über seine Daten zu geben und noch mehr Transparenz über die Nutzung zu schaffen. Da die digitale Welt komplex ist, ist die Aufgabe, “mehr Transparenz zu schaffen” und mehr Wahlmöglichkeiten den Kunden anzubieten, komplex – wir haben bei uns jedoch ein engagiertes Team, das sich der Aufgabe gerne stellt.

Und was würden sich Unternehmen wie Zalando wünschen?

In der öffentlichen Debatte wünschen wir uns mehr Fokus auf Datenschutzmaßnahmen, die auch wirklich den Schutz erhöhen, und zugleich Innovationen ermöglichen. Wir können uns in Europa nicht darauf beschränken, die Vergangenheit zurückholen zu wollen, in der nur sehr wenige Daten verarbeitet wurden und Dienstleistungen online weder personalisiert noch attraktiv waren. Vielmehr sollten wir den digitalen Fortschritt mitgestalten: Innovativ sein, um Kundenerwartungen immer besser zu erfüllen – und gleichzeitig ein gutes Datenschutzniveau bieten. Die gute und einwandfreie Nutzung von Daten ist für Zalando die Voraussetzung dafür, dass wir unseren Kunden den Service liefern können, den sie sich wünschen und erwarten.

Warum ist Datenschutz generell in Europa ein wichtiges Thema?

Für Europa insgesamt bedeutet gute Nutzung von Daten eine Chance, die zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen wie Gesundheitsvorsorge in alternden Gesellschaft, Umgang mit Folgen vom Klimawandel, Planung von wachsenden Städten zu bewältigen. Ich denke, wir sollten uns alle als Europäer wünschen, dass Datenverfügbarkeit und gute Nutzung von Daten vor allem als Chance nicht als Bedrohung wahrgenommen werden.


Weiterführende Inhalte