Code für die Kommunikation

Charline Merieau, Zalando-Pressesprecherin für Frankreich, tritt ein Google Stipendium an.

Wie bist du zu Zalando gekommen?
Ich bin vor drei Jahren nach Berlin gezogen, nach Abschluss meines Masterstudiums in Paris. Mein erster Job in der Stadt war im PR-Bereich für die Jumia Group, vormals Africa Internet Group. Nachdem die Gruppe mit der neuesten Ankündigung von strategischen Fördermitteln einen guten Ruf als erstes “Unicorn” in Afrika überhaupt etabliert hatte, war es für mich an der Zeit, den nächsten Schritt zu tun und neue Herausforderungen zu finden. Damals schlug mir ein Freund vor, für das Kommunikationsteam bei Zalando zu arbeiten. Also bewarb ich mich bei Zalando, bekam den Job, und hier bin ich nun!

Charline Merieau Corporate Communications

Du bist Pressesprecherin für Frankreich. Wie ist das, wenn man ein in Deutschland ansässiges, europäisches Unternehmen im französischen Markt repräsentiert?
In Frankreich sieht man Zalando hauptsächlich als einen europäischen Player. Die ersten Online-Akteure in Frankreich waren Schuhhändler und Outlets, so bestand die größte Herausforderung darin, verständlich zu vermitteln, worum es bei Zalando geht. Die erste TV-Werbekampagne legte einen ganz besonderen Fokus auf Schuhe. Daher bestand meine Aufgabe darin, Zalando als Plattform bekannt zu machen.

Wann hast du begonnen, dich für Coding und Technologie zu interessieren?
Ich habe damit im Zuge meiner Zusammenarbeit mit afrikanischen Start-ups begonnen. Die Stakeholder hatten Schwierigkeiten zu verstehen, welche Start-ups zur Gruppe gehörten. Daraufhin beschloss ich, das Thema selbst in Angriff zu nehmen und erstellte eine Unternehmenswebseite für die Gruppe. Das war mein Einstieg ins Programmieren und die Erkenntnis für mich, dass Kommunikation und Programmieren keine voneinander isolierten Aktivitäten, sondern fest miteinander verbunden sind. Ich habe an “Coding Bootcamps” teilgenommen und mein Interesse an Technologie beibehalten, seit ich bei Zalando angefangen habe. Für den französischen Markt begann ich mit der Herausgabe eines Newsletters, um die große Fülle an Neuigkeiten bei Zalando zu steuern. Mit diesem Newsletter wollen wir Journalisten kleine, übersichtliche und personalisierte Geschichten zur Verfügung stellen. Es war keine hoch komplizierte Angelegenheit, aber bot mir die Möglichkeit, meine Leidenschaft fürs Programmieren sinnvoll zu nutzen. Meine Teamleiter waren eine große Hilfe, sie sagten: „Mach es einfach!“ Und als ich meine Journalisten fragte, ob ihnen das neue Format gefällt, waren sie begeistert und dem gegenüber positiv aufgeschlossen.

Marc Lamik (Zalando), Rui Coelho (Invest Lisboa), Ricardo Marvao (Beta-i talk) und Moderatorin Charline Merieau (Zalando) diskutieren über die gemeinsame Zukunft von Zalando Tech und Lisasbon.
Vizions Zalando Platform Conference
Zalando hosted Vizions, Europe's Platform Conference in April 2017.

Wie aktiv hast du dich in der Tech-Welt positioniert?
Ein Insider-Geheimnis: Sobald du dich bei Zalando für Tech interessierst, wird sich das wie ein Lauffeuer verbreiten! Das Maß an Unterstützung dafür, an etwas mit einem Tech-Fokus zu arbeiten, ist bemerkenswert. Daher habe ich eine Podiumsdiskussion auf der Vizions moderiert und als wir die Eröffnung unseres Tech Hubs in Lissabon bekanntgaben, hatte ich das Glück, auch dort das Panel zu leiten. Ich bleibe immer in Kontakt mit unserem Tech-Bereich und versuche an allen "Techspert"-Treffen, die in Berlin stattfinden, teilzunehmen.

In deinem Essay hast du darüber gesprochen, wie du mit deinem zukünftigen Ich beschlossen hast, eine Veränderung vorzunehmen. Wie sah diese Unterhaltung aus, wie hast du dich dabei gefühlt?
Es war beängstigend. Ich habe einen Artikel über Coding2Learn gelesen, in dem viel über Plattformen und Daten diskutiert wird. Der Autor erklärt, dass wichtige Entscheidungen im Bereich ePrivacy bzw. Netzneutralität auf sehr hohem Niveau gefällt werden. Im gleichen Zuge fragt er, wie unsere Handlungsfähigkeit und unser Verständnis von digitalen Neuerungen erhalten werden kann. Wenn ich jetzt nicht verstehe, was da abläuft, dann bin ich in zehn Jahren völlig verloren. Das hat mich dazu gebracht, einen Moment innezuhalten und zu sagen: „Stell dir vor, wie du in zehn Jahren sein wirst. Es wird wesentlich mehr Technologie geben und wenn du es jetzt nicht lernst, dann wirst du zurückbleiben.“ An diesem Punkt kam das Google-Stipendium ins Spiel. Es war meine Chance, aktiv an der Digitalisierung zu arbeiten, trotzdem hatte ich große Bedenken. Ich arbeite leidenschaftlich gern im PR- und Kommunikationsbereich und hatte daher das Gefühl, dass ich mich von den letzten fünf Jahren Erfahrung und Ausbildung in diesem Bereich verabschieden musste. Ich sprach mit meinen Teamleitern darüber und sie unterstützten mich sehr bei meinem Vorhaben. Alles ergab sich von selbst, nachdem ich mich dazu entschieden hatte, diesen neuen Weg einzuschlagen. Ich erhielt eine Zusage für das Stipendium, mein Team hat mich dabei sehr darin bekräftigt und mir wurde sogar die Möglichkeit angeboten, mein neu erworbenes Know-how nach Abschluss des Stipendiums ins Team einzubringen.

Welche Anwendungsmöglichkeiten siehst du für das Programmieren im Bereich PR und Kommunikation mit deiner Erfahrung in beiden Bereichen?
Wie können wir Kommunikation frisch und relevant gestalten? Jede Branche steigt in das digitale Zeitalter ein und daher ist es unsere Aufgabe darüber nachzudenken: Wie können wir PR und Kommunikation digitalisieren? Wenn wir nichts tun, dann nehmen wir die Hände vom Steuer und verlieren unser Handlungsvermögen. Das ist etwas, was ich mit dem Programmieren herausfinden möchte. Digitalisierung ermöglicht jeder Branche mutigere Wege zu gehen und die herkömmlichen operativen Abläufe zu durchbrechen. Wenn wir uns beispielsweise Zalandos Geschäftsbericht 2016 anschauen, dann wird ersichtlich, dass wir einen neuen Weg der digitalen Kommunikation ausprobiert haben. Wir haben auch eine wunderbar dynamische Corporate Webseite. Wenn wir davon Abschied nehmen, Content nur in individuellen und separaten Silos zu denken, dann sind wir tatsächlich in der Lage, Kommunikation zu verbessern. Wir werden nicht wissen, wo wir Verbesserungen machen können, bis wir nicht erforschen und experimentieren. Man hat den Eindruck, dass wir genug von alten Herangehensweisen haben; dass neue Möglichkeiten am Horizont stehen und der Schlüssel zu diesem neuen Potenzial im Programmieren liegt.

Zalando SE Technology Hack Week 5 2016 Berlin

Im Hinblick auf dein neues Projekt: Was ist deine größte Hoffnung und was ist deine größte Sorge?
Ich fürchte mich natürlich vor einer Überlastung: Es wird viel Arbeit auf mich zukommen. Das Tolle an dem Google-Stipendium ist jedoch, dass ich Teil einer großen Community von 10.000 Menschen sein werde. Es wird also an Unterstützung nicht mangeln. Meine größte Hoffnung besteht darin, dass ich anschließend sicher programmieren und diese Kompetenzen im Zalando-Team einbringen kann. Corporate Communications hat sich zur Aufgabe gesetzt, die Art und Weise, wie wir kommunizieren, neu zu denken und dazu kann ich einen entscheidenden Beitrag leisten. Personalisierung ist ein zentraler Aspekt der Benutzererfahrung bei Zalando. Wir wollen auch die Erfahrung der Journalisten individualisieren.
Ich habe kein endgültiges Ziel. Im Grunde genommen versuche ich herauszufinden, wie man die Kommunikationswelt revolutionieren kann. Es ist wunderbar, dass ich die Freiheit habe, daran zu arbeiten. Erfolg ist nicht garantiert, aber dafür sehr viel zu lernen.

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